Baubericht HMS Mercury, Kapitel 29: Auftakeln des Besanmastes


 

November 2017

Eine Seite zuvor war ja schon zu sehen, dass die ersten Wanten am Untermast des Besan stehen. Die Erfahrungen mit dem letzten Wantenpaar am Großmast haben mir sehr geholfen, so dass die Herstellung diesmal unproblematisch ablief und somit alle Wanten gesetzt sind.

Spaß der besonderen Art gab es dann aber mit dem Stag. Dazu ist erst einmal festzustellen, dass am Besanmast nur ein Stag gefahren wurde, also kein zusätzliches Borgstag. Aber das hatte es dann in sich. Doch bevor ich das schildere, kurz zur Einleitung eine kleine Geschichte über einen Zukauf von Werkzeugen:

Mein Maschinenpark ist ja sehr übersichtlich. Motorgetrieben ist da nur meine Proxxon. (Nun ja, und die selbst verbesserte Reeperbahn. Die Kleedemaschine hat einen 1-BH-Antrieb. Nee nee, BH steht hier für Bonden-Hand.)
Für die Proxxon gibt es ja viele tolle Sachen, die man da in das kleine Bohrfutter spannen kann, u.a. eben auch Bohrer. Die haben einen kleinen Schaft, mit dem man dann auch sehr gut ohne die Maschine, nur mit den Fingern, Löcher bohren oder - wie es bei den ansonsten sehr guten Blöcken oft nötig ist - erweitern kann. Leider gibt es im Baumarkt nur die Stärken 0,5 mm und 0,8 mm. Also es gibt natürlich noch viele andere Stärken, aber ich wollte eben auch 0,6 und 0,7 mm haben, und die bietet leider kein Baumarkt an. Also habe ich mich erfolgreich im Netz umgetan. Aber beim Bestellen ist mir wohl ein Fehler passiert: Die 0,6er kamen richtig, aber für das Maß 0,7 mm bekam ich den im ersten Bild zu sehenden langen dünnen Wicht. Ok, mit dem konnte ich erst einmal gar nichts anfangen, aber man weiß ja nie, also wurde er beiseite gelegt.

 

Das zur Vorgeschichte. Jetzt wenden wir uns wieder dem Anbringen des Besanstags zu. Am Großmast hatte ich im unteren Bereich schon vor einiger Zeit vorbereitend einen Leitkragen mit einer Kausche angebracht und war davon ausgegangen, dass am Ende des Besanstags ebenfalls eine Kausche eingebunden wird und diese beiden dann mittels Taljereep verbunden werden. Ein Blick in meine "heilige Fibel", den Schrage, verriet mir aber, dass dem nicht so ist. Der Leitkragen dient tatsächlich nur zum Durchleiten des Stages. Es wird durch die Kausche des Leitkragens geführt, bekommt dann am Ende eine eigene Kausche eingebunden, und diese wird mittels Taljereep an einem Augbolzen, der hinter dem Großmast ins Deck eingelassen ist, steif gesetzt.
Da war nun guter Rat teuer. Zur Erinnerung, es geht um das im zweiten Bild mit Nr. 22 bezeichnete Tau.

Rund um den Großmast ist die sog. Mastbeting, dicht daneben die Pumpen, und kurz hinter dem Mast fängt das Achterdeck an. Platz, um dort mit den Fingern irgendwas hinzubekommen also gleich Null. Also wie da unten jetzt einen Augbolzen einlassen?
Und da kam dann mein Fehlkaufbohrer ins Spiel! Ideal! Durch die Kausche des Leitkragens gesteckt, diese diente als Führung, und dann vorsichtig, mit sanftem Druck, mit den Fingern den Bohrer gedreht, bis endlich das Deck durchbohrt war.

Dann habe ich aus starkem Blumendraht einen großen Augbolzen geformt und diesen dann mit einem recht langen Stück Draht am Ende in die frisch gebohrte Öffnung gezwängt, wobei auch Sekundenleim im Spiel war. Das war eine äußerst diffizile Angelegenheit, ich wollte nicht abrutschen und dabei die Mastbeting beschädigen und auch den Augbolzen nicht verbiegen. Aber irgendwie war er plötzlich drin und sitzt bombenfest.

Nun die nächste Überlegung: Das Stag hat ja oben am Mast ein großes Auge mit der Stagmaus. Und die Kausche des Leitkragens ist grad mal so groß, dass das Stagtau knapp durchpasst. Also musste die Kausche am Ende des Stags direkt am Schiff eingebunden werden. Und zuvor musste die richtige Länge ermittelt werden - Schrage schreibt, dass diese Kausch etwa einen Meter über Deck war. Also Stagauge um den Masttop, festziehen, Stag durch die Leitkausche stecken und Maß nehmen. Das hab ich mit einer gegenläufig arbeitenden Pinzette gemacht.

Jetzt das Tau ein Stück zurückziehen, schön vorsichtig, damit die Pinzettenmarkierung nicht verloren geht, und das Stagauge wieder vom Masttop holen. Dann sanft das andere Ende so weit es geht Richtung Bordwand ziehen, die dritte Hand dicht ans Schiff stellen und das Tau dort zum Kausche einbinden fixieren.

Der "Rest" war dann fast nur noch Spaß. Ein Taljereep wurde an der Stagkausche befestigt und dann mit zwei Pinzetten und viel Geduld das Stag steif gesetzt.

Das Taljereep ist noch nicht endgültig fest, auch hier behalte ich mir noch die Möglichkeit des Nachspannens vor.
Tja, und damit sind dann alle Unterwanten und alle Stage der Untermasten gesetzt.

 

Hier geht's bald weiter.