Baubericht HMS Mercury, Kapitel 39 - Segel für den Besan

 

 

 

 

Nun ist der letzte Mast an der Reihe. Er hat gleich zwei  Namen - man nennt ihn sowohl Besan als auch Kreuzmast. Warum Kreuzmast, wird hier gleich erläutert.

 

Das Bild zeigt das Endergebnis - dieses Kapitel beschreibt den Weg dahin.

 

Aber - um das gleich vorweg zu nehmen: Dieser Baubericht ist noch lange nicht zu Ende! 

 

Januar 2021

 

Die erste Rah, die ich anbaue, ist die Bagienrah. Dies ist die unterste Rah und bekommt, im Gegensatz zu den Rahen am Fockmast und Großmast, kein Segel. Dafür bekommt der Besan später noch ein Gaffelsegel spendiert - und spätestens wenn das angebaut ist, wird deutlich, dass dieses recht große Stück Tuch einem Segel an der Bagienrah einen Großteil des Windes wegnehmen würde. Dennoch ist die Rah wichtig, insbesondere für die Führung der Schoten des darüber anzubringenden Kreuzmarssegels. Dazu aber später mehr.

Diese Rah hat mittig zwei Blöcke, einer geht nach oben, der andere nach unten. Der obere Block ist für den Hanger, also das Tau, welches um den Masttop  geführt wird, um die Rah daran aufzuhängen. Der untere Block ist ein Doppelblock und ist für die Führung der Schoten des Kreuzmarssegels vorgesehen.  Wenn zwei Blöcke an der selben Position angebracht werden sollen, müssen die jeweiligen Stroppen gesondert gefertigt werden. In den ersten beiden Bildern sieht man Theorie und Praxis, das dritte Bild zeigt das Endergebnis.

An die Rahnocken, also die Enden, kommt jeweils eine Kombination aus einem Einfachblock und einem Schulterblock. Die Schulterblöcke baue nach der Shipyard-Methode, allerdings nicht mit Shipyard-Teilen, sondern mit hölzernen der US-Firma Syren, bei der ich auch nahezu alle anderen Blöcke bezogen habe. Nach dem Zusammenkleben, Trocknen und Herauslösen aus dem Rahmen werden diese dann in Form geschliffen und dunkel gebeizt.

Auch wenn die Bagienrah kein Segel trägt, bekommt sie Fußpferde, denn auch hier kann es nötig sein, dass man an das Ende der Rah muss, um z.B. eine gerissene Marsschot zu flicken. Dann bringe ich noch das Tau für das Rack sowie die Brassenschenkel an. Die Brassenschenkel werden hier nicht auf die Rahnocken gesetzt, sondern ein Stück weiter zur Mitte hin. Das vorher gekleedete Hangertau wird durch den oberen Block geschoren, und damit ist die Rah ist nun bereit für den Mast.

 

Die Brassenführung ist sehr interessant. Während bei allen anderen Segeln die Brassen stets nach hinten geführt werden, ist es hier anders. Die Brasstaue werden zuerst an den Unterwanten des Großmastes befestigt, laufen dann durch den Block am Brassschenkel und dann wieder zurück zu den Unterwanten, wo ein Leitblock angebracht ist. Durch diesen geht es dann in Richtung Deck, noch durch eine ebenfalls binnenbords an den Wanten angebrachte Leitkausche und dann durch einen Fußblock, um schließlich an einem Timberhead belegt zu werden. Und noch eine Besonderheit gibt es: Diese Tauführung geht über Kreuz, also die Steuerbordbrasse läuft a den Backbordunterwanten entlang und umgekehrt. Und da haben wir auch den Ursprung des Namens "Kreuzmast". (Später werden wir sehen, dass auch die Buline des Kreuzmarssegels in ähnlicher Form über Kreuz geführt werden.)

Was mich anfangs verwirrt, ist das Fehlen der o.g. Fußblöcke. Das Schiff hat durchaus Fußblöcke, aber da, wo ich für diese Brassen welche brauche, neben dem Großmast direkt innen an der Bordwand, sind keine. Die Bauanleitung gibt erstmal auch keine Antwort. Die bereits vorhandenen Fußblöcke haben dort die Teilenummer 318. Auf dem Bogen, von dem ich diese entnommen habe, finde ich noch Teile für zwei identisch aussehende Fußblöcke, allerdings mit der Nummer 319. Diese wiederum findet sich nirgends in der Bauanleitung. Schließlich entdecke ich auf einem Bild der Bauanleitung aber das, wonach ich suche. Halb versteckt durch die Querreling des Achterdecks lugt da ein Stück des Blocks hervor, und auch wenn der in keiner Weise bezeichnet ist, weiß ich, dass es genau das richtige Teil ist.

Das erste Bild zeigt die Bauanleitung - unterhalb der Teilenummer 191 l (etwas links von der Bildmitte) sieht man den Block.  Gebaut sind die zwei schnell, und ich fädele die Brasstaue vorher durch, bevor ich die Blöcke an Deck anbringe. Zuvor breche ich mir fast die Finger, um die beiden erwähnten Leitblöcke ganz oben an den Unterwanten anzubringen und die Leitkauschen ein Stück tiefer. Das ist logisch, je mehr ich das Schiff auftakele, desto mehr Taue sind im Weg. Auch das Anbringen der Blöcke selbst ist eine Herausforderung. Irgendwie schaffe ich es, mit der ganzen Hand in den Bereich hinter dem Großmast zu kommen, ohne aus Versehen irgend ein Tau oder etwas anderes abzureißen. Hier bewährt sich mein Prinzip, alle Taue zwar möglichst straff zu spannen, aber eben nur grad so, dass sie straff aussehen, jedoch noch reichlich Spiel haben und so nicht beim leisesten Zug gleich abreißen.
Mit dem Straffen und endgültigen Belegen der Brassen ist dann die Bagienrah fertig angebaut.

 

Ohne weitere Pause geht es weiter mit der Kreuzmarsrah und dem dazugehörigen Segel. Dieses wird zuerst vorbereitet. Die Abläufe (Nähte vorn und hinten nachzeichnen, Liektaue anbringen, Schothörner und Nocklegel dabei einarbeiten, Legel für Gordinge und Buline annähen, Reffbändsel anbringen) unterscheiden sich hier nicht von denen bei den anderen Segeln, weshalb ich das nicht nochmals detailliert zeige. Einen Punkt muss ich aber an der Stelle hervorheben: Der Zahnstocher auf dem ersten Bild zeigt nicht auf irgendein Reffbändsel - nein, es ist das letzte Reffbändsel an diesem Schiff. Die beiden noch fehlenden Segel haben keine, daher ist dieses das 450. und letzte seiner Art. 

Auch wenn das ein Grund zum Feiern wäre - zuerst einmal wird das Segel an die Rah genäht und diese dann an seinem Bestimmungsort angebracht. Schon als die Rah dann an Ort und Stelle hängt, noch nicht ordentlich festgemacht und mit etlichen losen Enden, die umherbaumeln, bietet die Mercury dennoch einen für mich beeindruckenden Anblick. Ich spüre, dass sich der Bau wohl doch so ganz langsam seinem Ende nähert, auch wenn noch viel zu tun ist.

Einen Tag später geht dann die Arbeit am Kreuzmarssegel weiter. Bevor alle Taue endgültig belegt werden, wird das Tuch wie gewohnt mit verdünntem Weißleim genässt und dann mit dem Fön in Form gepustet. Der erste Wind war wohl nicht kräftig genug, das heißt, ich habe den Weißleim wohl etwas zu viel verdünnt. Ein zweiter Durchlauf liefert dann aber ein Ergebnis, mit dem zufrieden bin. Und auch Käptn Aubrey schaut recht zufrieden aus.

 

Zwischendurch habe ich mal Lust auf etwas anderes. Bei der Firma Kugel-Winnie bestelle ich mir via Internet 2mm Stahlkugeln. Mit diesen fülle ich die Kugelracks, die ich bisher noch nicht angebaut habe. Erst klebe ich die Kugeln in die entsprechenden Vertiefungen, dann pinsele ich sie an. Dabei lasse ich ein paar Plätze frei, damit meine Jungs an Bord etwas zu tun haben. Und sie machen sich auch sofort eifrig ans Werk.

 

Habe ich mich eben noch über das letzte Reffbändsel gefreut, gibt es jetzt das nächste "Letzte-Event". Mit dem Kreuzbramsegel bringe ich das letzte Rahsegel an. Jetzt fehlt nur noch das große Gaffelsegel, hier auch Gieksegel genannt.

Aber nun zur Bramrah. Das kleinste Rundholz dieser Art verliert sich nahezu in meinem Gestell zum Bearbeiten der Rahen. Das Lineal im zweiten Bild bietet einen schönen Vergleich: Die Großrah, also die längste Rah an Bord, misst stolze 31 cm.

Da sowohl Reffbändsel als auch Bauchgordinge hier nicht vorgesehen sind, ist das Segel schnell vorbereitet und wird angenäht. So dauert es dann nicht lange, und auch dieses Segel hängt am Mast.

 

Die "Restarbeiten" sind nicht ganz ohne. Insbesondere die Buline, also die Taue, die an den Seiten der Segel sind, mittels Spruten und Kauschen aus drei (Mars) bzw. 2 (Bram) eins machen und dann nach vorn laufen, bieten einen gewissen Unterhaltungswert. Die Buline des Marssegels werden, wie bereits erwähnt, ebenfalls wie die Brassen der Bagienrah über Kreuz zu den Wanten des Großmastes geführt. Und da entstehen dann solche Situationen, in denen man sich nur mit dem Zitat aus dem von mir so hochgeschätzten Buch von Klaus Schrage trösten und letztendlich auch behelfen kann:

"Weil die Decksverhältnisse und die Takelage eine günstige Anordnung nicht immer zuließen, musste die Art und die Anzahl der Belegstellen den jeweiligen Verhältnissen angepasst werden. ... Aus diesem Grunde können die angegebenen Belegstellen für das leichtere Tauwerk nicht allgemein verbindlich, aber doch ein Anhaltspunkt sein." (Klaus Schrage, Rundhölzer, Tauwerk und Segel, Seite 137)

Genau so ist es; es ist also Improvisationstalent gefragt - und natürlich auch ein gewisses Verständnis für das, was man da baut, wozu das jeweilige Tau da ist und wie es bedient wird. Man kann also z.B. die Geitaue der Bram an den Stengewanten belegen, sollte das aber in einer Höhe über der Marsplattform machen, dass der Seemann da auch rankommt. Genau so mache ich es dann auch.

Bei manchen Tauführungen klappt die "reine Lehre" des Buches schon allein dadurch nicht, weil da ein Stagsegel im Weg ist, um mal ein Beispiel zu nennen. Dann muss man sich eben was anderes überlegen. Deshalb bringe ich die Buline des Marssegel auch etwas höher an.

Schließlich sind beide Rahsegel am Besan ordentlich angebracht, alle laufenden Enden sind belegt, das Einzige, was noch fehlt, sind bei beiden Segeln die Brassen. Diese werden über Leitblöcke an der Piek des Gaffelbaums geführt, kommen also später dran.

 

Februar 2021

 

Nur noch ein Segel - das muss doch schnell gemacht sein? Oder?

Eher "oder". Ich bin selber überrascht, was mit dem Gaffelsegel für ein Aufwand verbunden ist. Allein der Gaffelbaum (also das schräg nach oben zeigende Rundholz) möchte 12 (!) Blöcke haben. Im Gegenzug benötigt der untere Baum nur einen Block - aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Zuerst müssen an beide Rundhölzer  am Ende eine Klau angesetzt werden, die dann mit einem Perlenrack am Mast fixiert wird. Die Klau ist hier ein Lasercut-Teil, für das ich in beide Rundhölzer mittels Skalpellklinge und Schnitzmesser entsprechende Kerben einarbeite. Ich bin am Ende sehr froh, dass diese fragilen Finnpappe-Teile sich problemlos in die richtige Position bringen lassen. Die beiden Rundhölzer werden dann schwarz gestrichen; danach geht es los mit den benötigten Blöcken. Auch Perlenrack für jeden Baum fertige ich an. Ich bestelle dazu verschiedene Perlen im Netz und bin schließlich beim dritten Versuch zufrieden: Es sind 2mm große Perlen, mattschwarz, genau richtig. Ich probiere, wieviel Perlen ich benötige, fädele sie auf klebe ein Ende an der Klau an und mache in das lose ende ein paar Knoten übereinander, damit mir die Perlen nicht verloren gehen. Am Gaffelbaum bringe ich die Taue für die Marsbrassen sowie das Piekfall an. 

Nun bereite ich das letzte Segel für mein Schiff vor. Es ist ein besonderes Segel, was man zum einen schon an der Form sieht und eben auch an der speziellen Befestigungsart. Eine Besonderheit sind hier die Hörner. Habe ich diese an den anderen Segeln aus dem Liektau heraus geformt und eingebunden, so dass sie an allen Ecken als offene Schlaufen zur Aufnahme verschiedener Taue und Blöcke fungieren konnten, sind sie hier im Segel. Ich fasse das Segel also mit einem umlaufenden Liektau ein und arbeite dann die Hörner heraus. Dazu nutze ich die Lochzange, schneide dann den Rest mit einem scharfen Skalpell aus und setze ein kleines Stück Tau der selben Stärke und Farbe wie das Liektau ein. Auf den Bildern ist das recht gut zu erkennen.

Legel hat dieses Segel auch reichlich; drei für die Dempgordinge und sechs für die spätere Befestigung am Mast. Diese nähe ich mit meiner bewährten und weiter vorn schon gezeigten Methode an. 

Das Segel dann an die Gaffel anzubringen ist eine Freude. Keine Anschlagbändsel wie bei den Rahsegeln, sondern mit nur einem Tau und fortlaufenden Rundschlägen ist das Tuch schnell am Baum befestigt. 

Tja, und dann komme ich leider mal wieder nicht um einen Abriss herum. Keine große Sache, aber dennoch nötig. Ich habe vier der sechs Blöcke für die Dempgordings falsch angebracht; hätte ich vorher einmal mehr in meinen Schrage geschaut, wäre mir das erspart geblieben. Aber alles in allem keine große Arbeit. 

Dempgordinge sind übrigens dafür da, das Segel aufzugeien. Und dann gibt es lt. Schrage noch Aufholer für die Dempgordinge, diese wurden benutzt, die Dempgordinge bei gesetztem Segel an der Leeseite etwas aufzuholen, damit sie das Segel nicht einschnüren. Die baue ich auch - werde sie aber später wieder abbauen.

Der untere Baum wird bei diesem speziellen Segeltyp Giekbaum genannt. Er ist zwar bedeutend länger als die Gaffel, ist aber hinsichtlich seiner Bestückung wesentlich bescheidener als sein kleinerer Bruder. Aber auch da kommen später noch ein paar Taue ran.

 

Bevor das Segel endlich an den Mast kommt, gilt es noch ein Problem zu klären. Der von mir ansonsten so überaus hochgeschätzte Herr Schrage hat in seinem Buch auch mal einen dicken Klops versteckt. Bei der Führung des Taljeläufers vom Fall der Kreuzbramrah habe ich mich haargenau an sein Buch gehalten. Der Belegplan in Abb. 452 zeigt, dass dieses Tau genau auf den mittleren Nagel der Mastbeting kommt. Und das sieht dann so aus wie auf dem ersten Bild. Und die Aufforderung lautet: finde den Fehler. Ja, das Tau läuft genau vor dem Mast, da wäre es sowohl der Klau der Gaffel als auch der des Giekbaumes im Weg. Also muss ich umtakeln und finde auf der Nagelbank an den Besanwanten an der Steuerbordseite auch noch einen freien Belegnagel. 

Dann kann es jetzt endlich losgehen mit dem Segelsetzen - aber ich schaue sicherheitshalber nochmal in den eben so gescholtenen Schrage. Oh, noch zwei weitere Taue müssen an die Spitze der Gaffel, mit am anderen Ende eingebundenen Blöcken, das werden die Geerden. (Geerden dienen zum seitlichen Stellen der Gaffel und um das Rundholz mittschiffs zu halten, wenn kein Segel gesetzt war. Bei gesetztem Segel hält nur die luvseitige Geerde.) Ach ja, und die Gaffel braucht ja auch ein Klaufall. Das Piekfall wist vorbereitet, das Tau befestigt, der Block auf dem Baum und ein Doppelblock am Eselshaupt. Für das Klaufall muss erst noch ein weiterer Doppelblock um den Masttop gehängt werden, ein zweiter Doppelblock eingebunden und an der einen Seite mit dem Taljereep und an der anderen Seite mit einem Haken bestückt werden. Jetzt fängt die Fummelei an. Zuerst das Piekfall durch die Blöcke fädeln und den Baum damit so langsam in Position bringen. Jetzt die beiden Blöcke für das Klaufall mit dem Taljereep verbinden, den unteren Block in den Augbolzen auf der Klau einhängen und langsam die Talje anziehen. Dabei das Piekfall weiter anziehen. Mit den restlichen freien Händen darauf achten, dass das ganze andere Fadengedöns nicht im Weg ist und sich nirgends irgendein Tau da festhakt, wo es das nicht soll.

Dann befestige ich das noch lose Ende des Perlenracks, was auch nicht ohne Beihnahe-Fingerbrechen abgeht.

Jetzt kann ich das Segel am Mast befestigen. Da braucht es auch mehrere Versuche, ehe Schlaufe für Schlaufe so gelegt ist, dass an keiner Stelle eins der vielen Taue, die da in unmittelbarer Mastnähe aus den unerfindlichen Höhen der Takelage kommen, mit eingebunden werden.

Jetzt hängen da "nur" noch auf jeder Seite je drei Dempgordings, ein Aufholer und eine Geerde. Ach ja, die Brasstaue der Marsrah sind auch befestigt; die Brassen der Bramrah kommen am nächsten Werfttag an die Reihe.

Das liest sich jetzt bestimmt ziemlich kompliziert. Vielleicht können die Bilder ein wenig erklären. Bild 3 zeigt das Piekfall recht gut, Bild 4 das Klaufall und das vorletzte Foto die vollgepackte Piek der Gaffel.

Der Giekbaum erhält Fußpferde; diese werden genauso gefertigt wie die am Klüverbaum, also mit kleinen Knoten, die im Original "Türkenköpfe"  hießen und den Seeleuten einen besseren Halt gaben. Außerdem bereite ich die Talje für die Schot vor, die dann am Schothorn befestigt wird, durch ein Scheibgat am Ende des Giekbaumes läuft und dann mittels Talje, deren unterer Block außen am oberen Rand des Heckspiegels eingehakt wird, endgültig an einer Klampe an Deck belegt. 

Zwei weitere Taue werden an der Piek des Giekbaumes befestigt - die Baumtopnanten. Diese laufen beidseitig zum Masttop, dort durch zwei Leitblöcke hinunter an Deck, wo sie dann links und rechts des Besanmastes mittels Arbeitstalje festgesetzt werden. Dann gibt es noch die Baumschot - das ist der Block, der mittig nach unten hängend am Giekbaum sitzt; sein Gegenstück, mit dem er mit einem Taljereep verbunden wird, ist an eine Kausche gebunden, die auf einem kleinen Metallbügel, der ins Heck eingelassen ist, hin und her gleiten kann.

Was dann folgt, ist ein ständiges Abwägen, vorsichtiges Taktieren und Versuchen - das Zusammenspiel der vielen verschiedenen Zugkräfte an diesem Segelkonstrukt ist wohl einmalig an meiner Mercury. Die Suche nach geeigneten Belegpunkten gestaltet sich teilweise schwierig, und auch Schrage und Co. liefern nicht immer die nötigen Antworten. Daher entscheide ich mich auch, die Anholerleinen wieder abzubauen, zumal ich im Marquardt lese, dass diese nicht immer und zwingend vorhanden waren. 

Das am Ende eines aufregenden Werktages das Gaffelsegel ordentlich sitzt, mittels der Fönmethode in windige Form gebracht ist und dabei nichts kaputt gegangen ist, kann ich noch gar nicht richtig fassen. 

Bei schönstem Sonnenschein schieße ich ein paar Bilder und merke erst danach, dass ich die Geerden noch nicht angebracht habe. Ich kann hier aber glaubhaft versichern, dass dies inzwischen geschehen ist, auch wenn man sie auf den nachfolgenden Fotos noch nicht sieht. 

 

Nun ist Anlass für eine kleine Feier auf meiner Werft: Die Takelage steht! Alle Masten, Stengen, Rahen, Bäume und Segel sind angebaut, und ich bin schon etwas stolz auf das, was ich bisher geschafft habe. Die ganz große Party muss aber noch einige Zeit warten - es sind noch jede Menge "Rest"-Arbeiten zu erledigen, die To-Do-Liste ist recht lang. 

 

Es lohnt sich also, hier bald wieder reinzuschauen...