Februar 2026
Bevor ich die Marsplattform fertig baue und anbringe, versuche ich herauszufinden, welche Blöcke ich ggf. noch unter der Plattform anbringen muss. Dafür habe ich mich dann mit allen Abbildungen, die in diesem Bausatz als Takelplan herhalten müssen, befasst. Es bleiben mehr Fragen als Antworten. Das erste Bild zeigt nahezu alles, was die Bauanleitung zum Thema Takeln hergibt.
Was zum Beispiel völlig fehlt, ist ein Belegplan. Kleines Beispiel: Man erkennt mit Blick auf zwei der vier gezeigten Blätter, dass das Tau 49 zu den Topnanten der Fockrah gehört. Wo aber der Läufer, also das lose Ende, befestigt wird, verschweigt die Anleitung. Und das ist jetzt nur eins von vielen Beispielen - im Prinzip gilt das für so ziemlich alle Taue vom laufenden Gut. Da kann man dann schon mal verzweifeln, selbst wenn man nun wahrlich kein Takelnovize mehr ist.
Und die Frage, wo denn nun die Hahnepoten befestigt werden, hatte ich zwar schon mal aufgeworfen, wollte aber an der Stelle auch Klarheit haben, damit ich nicht ggf. an völlig falscher Stelle weitere Löcher in die Marsplattform bohre. Wie bereits geschrieben - die Bauanleitung schweigt sich auch hier beharrlich aus.
Aber Verzagen ist keine Option, also habe ich mich auf die vielen hier vorhandenen Fachbücher besonnen und gleich mal mehrere davon aus dem Regal gezogen und darin geblättert. Gepriesen sei die Blaue Reihe! Es waren dann gleich 4 Bände, die mir neben dem weiter vorn schon benannten Winter-Buch zum holländischen Zweidecker Hilfe brachten. "Wappen von Hamburg I" von W. Quinger, "Prins Willem" von H. Ketting, "Risse von Schiffen des 16. u. 17. Jh." von Hoeckel u.a. und vor allem "Modellbau von Schiffen des 16. und 17. Jahrhunderts" von R. Hoeckel halfen und gaben teilweise Antworten auf Fragen, die ich noch gar nicht gestellt hatte. Das Schöne daran ist auch, dass diese Bücher alle ausschließlich oder überwiegend kontinentale Schiffe beschreiben - wir wissen ja, dass es da schon einige Unterschiede zur englischen Bauweise gab.
Zuerst mal zu den Hahnepoten: Auf mehreren Bauplänen verschiedener Schiffe erkennt man eindeutig, dass die Hahnepoten durch Löcher im unteren Marsrand und nicht im Geländer geführt werden. Was mir von Anfang an logisch erschien, ist für mich damit bestätigt.
Ein ganz besonderer Fund ist bei meiner Stöberei in den Büchern das Werk von Hoeckel. Was für ein Schatz! Detaillierte Zeichnungen, genaue Beschreibungen und ein wunderbarer Belegungsplan, aufgeteilt auf Vorder- und Rückseite eines Bogens geben mir die Vorfreude auf das weitere Takeln zurück. Also gleich mal die Rückseite kopiert und so beide Seiten hinter mir an die Wand gepinnt.
Weiter mit der Fockmarsplattform. Da habe ich ein wenig freihändig konstruiert, um die richtige Position für die Löcher der Hahnepoten zu finden. Dann wurde die Plattform in den Schraubstock gespannt und die Proxxon angesetzt, erst danach habe ich die Rippen aufgeklebt. Ob dann die Hahnepoten so aussehen wie ich mir das gedacht habe wird man später sehen. Das Geländer kam ran, dann wurde der Pinsel geschwungen. Schon mal zur Probe auf die Saling gelegt - ja, sieht gut aus.
Dann wird es spannend: Die Marsplattform wurde nun endgültig angebracht; vorher habe ich an die vorderen Enden der beiden Längssalinge noch Blöcke für die Toppnanten angestroppt. Das Rätsel um
die vorgegebenen weiteren Löcher in der Plattform konnte dank Fachliteratur auch gelöst werden: Das sind Öffnungen, durch die später Taue von oben nach unten geführt werden.
Und dann ging es an die Hahnepoten. Das Teil, durch das das lange Tau dafür immer wieder geführt wird, ist der Spinnenkoben. Der ist hier glücklicherweise als 3D-Druck vorhanden, ein Winzling von
nicht mal 8 Millimeter Länge, mit vier Löchern, durch die man gut ein 0,1mm starkes Garn bekommt. Den habe ich in ein Stück Tau eingebunden und am unteren Ende mit einem 2mm-Block versehen. Ein
weiterer 2mm-Block wurde an das Stag gelascht - die bilden dann das Taljereep, mit dem das Gebilde am Ende straff gespannt wird. Dann wird ein langes Stück 0,1mm-Takelgarn an einem Ende mit einem
Knoten versehen und dann von unten durch das am weitesten hinten liegende Loch in der Marsplattform gefädelt. Oben raus, unter dem Geländer zum Spinnenkoben, da durch das dem Stag am nächsten
liegende Loch, zum hinteren Loch auf der anderen Seite der Marsplattform, von oben, aber natürlich wieder unter dem Geländer durch. Dann unter der Plattform zum nächstgelegenen Loch, von unten
durchfädeln, zum Spinnenkoben... und so weiter, bis man schließlich am letzten Loch in der Plattform angekommen ist. Da wieder von oben durch, unten einen Knoten setzen und dann durch geschicktes
Ziehen an möglichst allen gefühlt 18 Enden gleichzeitig das Gebilde irgendwann soweit haben, dass es gut aussieht.
Anfangs sieht es noch ziemlich wuselig aus, aber am Ende kann sich das Ergebnis sehen lassen. An sich recht einfach, oder? Um die Größenverhältnisse deutlich zu machen, halte ich mal eine 5-Pence-Münze ins Bild.
Hier geht es schon bald weiter!