Tag 1
Wie (fast) immer, wenn wir auf der Ostsee segeln, geht es wieder in Kiel los. Schon bei der Ankunft an der Blücherbrücke, dem Liegeplatz der Hendrika, ist man voll im Segelfeeling: Vier weitere Traditionssegler liegen dort festgemacht, es sind die Swaensbourgh, die Zephir, die Luciana und die Zuiderzee. Das sind mittlerweile alles schon alte Bekannte, und auf der Luciana sind mit Finn, der jetzt Kapitän ist, und Sophia zwei nette Menschen, die mit uns schon gemeinsam auf der Hendrika gefahren sind.
Der offizielle Start ist am Samstag um 10:00 Uhr; als Erstes helfen alle mit, die ans Schiff gelieferten Lebensmittel und sonstige Reisebedarfe an Bord zu verstauen. Bevor wir dann ablegen, begrüßen Raggi als Kapitän und ich als Organisator die "Sailies" herzlich an Bord. Raggi gibt die üblichen und auch wichtigen Sicherheitshinweise, und Steuerfrau Katharina und Matrose Anders zeigen, wie man Taue ordentlich aufschießt und was sonst noch so im Umgang mit dem Takelwerk zu beachten ist.
Da wir an der Blücherbrücke im "Päckchen" liegen, das heißt, ein weiteres Schiff liegt neben uns, muss dieses - die Swaensbourgh - dann erst einmal Platz machen, ehe wir ablegen können. Währenddessen fährt die Kieler Kogge an uns vorbei, noch unter Motor, aber später wird dann dort auch das gewaltige Großsegel gesetzt.
Von Kiel in die Dänische Südsee
Endlich geht es los! Es dauert nicht lange, bis die ersten Segel gesetzt werden. Was die "alten Fahrensleute" unter uns dann überrascht, sind die neuen Gaffelsegel - mit diesem bunten Logo kannten wir unser Schiff bisher nicht.
Das heutige Ziel ist die dänische Insel Ærø und dort der Hafen von Marstal. Der Törn wird toll, und in mein kleines Reisetagebuch trage ich abends ein: "Feinster Segelwind, außer der Bram alle Segel hoch." Zeit für einen ersten Besuch im Klüvernetz findet sich selbstverständlich auch.
Und was mir erst nach Ende der diesjährigen Fahrt so richtig bewusst wird: Wir haben einen Künstler an Bord! Er hat mir freundlicherweise erlaubt, die Fotos seiner Werke hier zu zeigen - hier kommt das erste:
Marstal ist immer wieder schön, und auch in diesem Jahr zieht es mich erneut in das hübsche Seefahrtsmuseum. Man entdeckt immer wieder neue Dinge dort, und mir als Modellbauer gehen sowieso immer die Augen über bei den vielen tollen Segelschiffsmodellen dort.
Im Hafen treffen wir die Petrine und die Iris.
Zwischen Segelbegeisterung und Museumsbesuch muss ich natürlich stets das leibliche Wohl der 33 Menschen an Bord im Auge haben. Traditionsgemäß gibt es am ersten Abend Spaghetti Bolognese, die wieder mehrere Stunden auf dem riesigen Herd vor sich hin geköchelt hat. Meine Küchencrew arbeitet mir wieder vorbildlich zu, so dass es am Ende allen schmeckt und die Töpfe nahezu leergefuttert sind.
Der Tag bringt für mich noch eine tolle Überraschung: Ein langjähriger Segelfreund überreicht mir ein schmuckes Brettchen, das er für mich angefertigt hat. Danke, Kai - das hat jetzt bei mir zu Hause einen Ehrenplatz an der Küchenwand!
Tag 2: Mal eben nach Bangkok?
Nein, das wäre ein ziemlich langer Törn. Das heutige Ziel ist der Ort Bagenkop auf der dänischen Insel Langenland. Unser Matrose Anders, ein Däne, erklärt uns das mit dem "Bangkok" so: "Auf Dänisch sagt man Bäjenkopp, auf Deutsch Bagenkop und auf Raggi Bangkok." Wäre das also auch geklärt...
Die Fahrt dorthin ist leider etwas "flautig", Raggi blieb letztendlich nichts anders übrig, als "die Stahlfock" zu setzen, also den Motor anzuwerfen.
Bagenkop ist ein schmucker kleiner Ort mit einem Yachthafen, der im Sommer zahlreich von Freizeitseglern aus Deutschland und Dänemark genutzt wird. Nicht zu übersehen ist ein hübscher Turm direkt am Hafen, von dem man einen guten Blick auf den Hafen, die Ostsee und den Ort hat. Und man kann von dort oben aus auch mal solch ein kleines Kunstwerk erschaffen, wie uns Klaus hier zeigt:
Tag 3: Zurück nach Ærø
Nein, wir haben nichts vergessen. Aber die Insel Ærø hat mehr als nur einen Ort - unser Ziel für heute ist Ærøskøbing, dem Hauptort der Insel. Vorher muss ich aber noch in Bagenkop den örtlichen Supermarkt aufsuchen, da ich bei meinen Lebensmittelbestellungen dummerweise den Reis vergessen hatte - und für heute Abend steht Frikassee mit Reis auf meinem Speiseplan. Wie gut, dass wir jeden Tag einen Hafen anlaufen...
Der heutige Segelwind ist zumeist mäßig und von der Richtung her so, dass wir keine Manöver fahren müssen. So bleibt viel Zeit, die Fahrt in Ruhe zu genießen, im Klüvernetz zu entspannen oder auch mal auf den Mast zu klettern, so wie unser Künstler Klaus. (Leider hat er von dort keine Zeichnung gefertigt.)
Unterwegs begegnen wir der Fylla. Der Dreimastschoner Fylla wurde 1923 als Frachtsegler in Dienst gestellt, gehört seit 1979 der Amtskommune Fyns und segelt wie unsere Hendrika mit Menschen, die Spaß am Meer, dem Wind und prallen Segeln haben. Schade, dass sie bei dieser Begegnung keine Segel gesetzt hatte.
Und während die Fylla unseren Kurs kreuzt, schafft sich in der Kombüse Matze, der nicht nur gelernter Bäcker, sondern auch noch mein Sohn ist, und bäckt ein großes Blech Kuchen für alle. Der Junge weiß genau, wie er sich an Bord beliebt machen kann...
In Ærøskøbing bin ich immer wieder gern. Es ist einfach nur schön, durch dieses schmucke Städtchen zu schlendern und sich an den bunten und liebenswert gepflegten und dekorierten Häusern zu erfreuen. Im Hafen trifft man auf viele kleine Segler, und am frühen Abend legt dann die Oban vor uns an. Der 1903 für den Heringsfang gebaute Zweimastschoner gehört heute zu den vielen unter holländischer Flagge fahrenden Traditionsseglern.
Auch Klaus hat sein Motiv gefunden:
Beim Ablegen dann ein besonderer Moment, der diesmal auch besonders festgehalten wird: Wir legen unter Segeln ab, und Kai konnte eine nette Frau am Ufer dafür gewinnen, dies im Bild festzuhalten und ihm dann die Fotos zu schicken. So sieht man das ja nie, wenn man selbst an Bord ist. Tolle Idee, tolle Momente - danke, Kai!