Besucht 2020
Die Niederlande kann auf eine jahrhundertelange Seefahrergeschichte zurückblicken. Und so gibt es in Amsterdam mit dem Rijksmuseum und diesem Haus hier, dem Schifffahrtsmuseum, gleich zwei Orte, an denen diese Geschichte erlebbar und umfangreich gezeigt wird.
Schon von Weitem sieht man das größte Exponat - den Nachbau des VOC-Schiffes "Amsterdam" aus dem 18. Jahrhundert.
Was die historische Genauigkeit anbelangt, kann es mit der Batavia nicht mithalten, auch wenn es nach den Originalbauplänen der alten "Amsterdam" von 1749 gebaut wurde. So wurden zum Beispiel die Deckshöhen angepasst, so dass man auch mit Körpermaßen oberhalb von 150 cm aufrecht stehen und gehen kann. Aber auch wenn an der einen oder anderen Stelle ein wenig ein Disneyland-Charakter durchscheint, entdeckt der erfahrene Schiffsmodellbauer viele Details, die zeigen, dass die Erbauer durchaus Ahnung von der Materie hatten. Und ein Hingucker ist das Schiff allemal.
Im Laderaum bekam man einen Eindruck davon, wie viele Waren so ein Handelsschiff damals transportieren konnte. Und was den Vorrat an Lebensmitteln anbelangt, wurde der offenbar nicht nur vom Zahlmeister, sondern auch von den vierbeinigen Passagieren inspiziert. Auf jeden Fall kam irgendwas Essbares aus der Kombüse auf den Tisch.
Ebenfalls im Außenbereich wird diese schmucke Staatsjacht gezeigt.
Im inneren des Gebäudes findet man das passende Modell zu der Staatsjacht. Und es gibt natürlich jede Menge weitere Schiffsmodelle, große und kleine. Was den Engländern ihr Nelson, ist den Holländern ihr de Ruyter. Im englisch-niederländischen Seekrieg im 17. Jh. war es Admiral de Ruyter, der den Engländern mehrfach - und vor allem in der Viertageschlacht 1666 - empfindliche Niederlagen beibrachte. Dieser Teil der Geschichte nimmt entsprechend breiten Raum in diesem Museum ein.
Sehr interessant gestaltet war diese lange Vitrine mit Modellen von Segeljachten aus mehreren Jahrhunderten, zum Großteil waren diese Modelle auch genau so alt wie ihre Originale. Einige davon dienten Kindern von reichen Leuten als Spielzeug. Für mich irgendwie eine gruselige Vorstellung.
An beiden Seiten der Vitrine waren horizontal und vertikal verschiebbare Tablets angebracht, die dann immer das Modell zeigten und näher erläuterten, auf welches sie zeigten. Eine sehr schöne Idee!
Der Saal mit den nautischen Geräten ist wohl der am interessantesten gestaltete Ausstellungsbereich. In einem anderen Raum wurden die verschiedensten Schiffsdekorationen gezeigt. Es ist schon faszinierend, wie vielfältig diese waren und vor allem an welchen Stellen an einem Schiff es das gab. Kleine Zeichnungen neben den Beschreibungen machten jeweils deutlich, wo solche Verzierungen zu finden waren.
Zum Schluss dann noch ein größerer Bereich zum Thema Walfang. Über die Geschichte des holländischen Walfangs und die Gefahren dabei wurde ein Bogen bis in die heutige Zeit und zum erforderlichen Schutz dieser ebenso imponierenden und bedrohten Tiere gespannt.
Fazit: Ein feines Museum, das aber mit dem Rijksmuseum nicht mithalten kann - und das vermutlich auch gar nicht will. Der reichlich dreistündige Besuch hat auf jeden Fall Spaß gemacht.
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