Repliken historischer Schiffe
Für jemanden wie mich, der Modelle historischer Segelschiffe gebaut hat und weiterhin baut, war es ein dauerhaftes Gänsehautfeeling, die tollen Nachbauten alter Schiffe aus Portugal, Spanien, Frankreich und Holland zu sehen und bei ihnen an Bord zu gehen. Und wer auf meiner Seite auch schon im Modellbaubereich unterwegs war, kann sicher meine besondere Freude über den spanischen Nachbau von Kolumbus' Flaggschiff Santa Maria, mit der er 1492 meinte, den westlichen Seeweg nach Indien gefunden zu haben und in Wahrheit vor der amerikanischen Künste gelandet war, nachvollziehen. Der Nachbau wurde 2018 vollendet.
Es ist der Fundacion Nao Victoria, einer in Sevilla ansässigen Stiftung, zu verdanken, dass es nicht nur diese Santa Maria, sondern auch noch die Nao Victoria und die Galeone El Galeon gibt und alle drei Schiffe in Amsterdam dabei waren.
Jetzt aber erst mal eine kleine Auswahl der wirklich vielen Bilder, die ich von der Santa Maria gemacht habe.
Gleich hinter der Santa Maria lag die Nao Victoria. Sie wurde 1991 gebaut; das Original war das einzige Schiff aus der 1519 gestarteten Flotte von Magellan, welches nach drei Jahren wieder in Sevilla ankam und somit die Welt umsegelt hatte. Für diesen Nachbau wurde unter der Leitung von Ignacio Fernández Vial, dem Konstrukteur und Erbauer des Schiffes, langwierig geforscht, dokumentarische Quellen, Chroniken, nautische Abhandlungen aus dem 16. Jahrhundert und die Ikonografie der damaligen Zeit studiert, um die Hauptabmessungen, Spieren, Segel und Ausrüstung des Originalschiffes genau nachzubilden.
Das Schiff tat es dem Original im Jahr 2004 gleich, umsegelte als erster Nachbau eines historischen Segelschiffes die Welt und kam 2006 wieder wohlbehalten in der Heimat an.
Der dritte Spanier in dieser Reihe ist die El Galeon. Sie ist eine Replik einer Galeone aus dem 17. Jahrhundert. Sie ist das größte und auch imposanteste der drei Schiffe der Fundacion Nao Victoria; auch vor ihrem Bau (2009-2010) wurde umfangreich geforscht und zahlreiche historische Quellen studiert.
In Amsterdam wurden wir von ihr bereits unmittelbar bei unserer Ankunft begrüßt; schon aus dem Zug sahen wir sie bei der Einlaufparade. Und natürlich war auch hier ein Besuch an Bord Pflicht.
Auch Portugal war mit einem Schiff aus der gleichen Zeit wie die spanischen Nachbarn vertreten. Der Nachbau einer Karavelle, die Vera Cruz, ist ein kleines, aber feines Schmuckstück. Gebaut wurde das Schiff im Jahr 2000, als Erinnerung an den 500. Jahrestag der Entdeckung Brasiliens durch den portugiesische Seefahrer Pedro Alvarez Cabral.
Bei der Auslaufparade hatte sie die Segel gesetzt - traumhaft, dieser Anblick!
Doch aus die Gastgeber hatten zwei hübsche Nachbauten mitgebracht. Da ist zum einen die Witte Swaen zu nennen, ein Nachbau des Expeditionsschiffes der letzten Reise von Willem Barentz im Jahr 1597. Um Wiederholungen zu vermeiden, darf ich mal nach nebenan zeigen, wo man bei den Schiffsbegegnungen ausführlich dieses Schiff in Text und Bild vorgestellt bekommt.
Bei der Auslaufparade war sie leider nicht zu sehen, was vermutlich daran lag, dass sie nach der Sail wieder nach Hause, also ins IJsselmeer gesegelt ist, was genau in der anderen Richtung liegt...
In der maritimen Geschichte am weitesten zurück reicht der Nachbau der Kamper Kogge. Das Original stammt aus dem Jahr 1336 und wurde während der Entwässerung der Flevopolders gefunden. 1994 begann man mit dem Nachbau, welcher bis ins Jahr 1998 dauerte. Materialien und Fertigungstechniken wurden weitestgehend authentisch gehalten auf der Basis umfangreicher Forschungen. Sie ist der einzige Koggennachbau in den Niederlanden.
Einen Nachbau gab es, der nicht im Hafen lag, sondern immer mal wieder bei Tagestouren zu sehen war, und das war die Staatenjacht Utrecht, das Original stammt aus dem Jahr 1746. Leider war sie nie so nah, dass man wirklich schöne Bilder machen konnte, aber ein paar wenige Fotos kann ich hier zeigen.
Zugegeben - das letzte Schiff in dieser Runde ist nicht wirklich eine Replik. Aber es ist aus einem ganz bestimmten Grund ein besonderes Schiff, welches auch hier reinpasst: Die Le Phoenix ist die Schauspielerin unter den Segelschiffen. Sie hat in derart vielen Spielfilmen und TV-Serien historische Schiffe der verschiedensten Epochen gespielt, dass sie sozusagen eine wandelbare Dauerreplik ist. Gebaut wurde sie 1929, ursprünglich als Frachtsegler, dann war sie als evangelisches Missionsschiff unterwegs. Sie hatte dann einige Eigentümerwechsel und Umbauten, verrottete beinahe und wurde schlussendlich im Jahr 1996 in eine Brigg aus der Zeit um 1750 umgebaut. Sieht man sie heute, kann man gar nicht glauben, dass sie 1991 als Santa Maria die hölzerne Hauptdarstellerin in Ridley Scotts Kolumbusfilm "1492" war.
Als Fan der Serie "Hornblower" empfand ich besonders prickelnd, an Bord dieses Schiffes zu gehen und mir vorzustellen, wie damals Ioan Gruffudd als junger Hornblower dort über die Planken schritt.
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