Ich sage es gleich zu Beginn: Das Sjöhistoriska museet Stockholm ist für mich eines der beeindrucksten maritimen Museen, die ich bisher besuchen durfte.
Das Museum wurde am 28. Mai 1938 von König Gustav V. eingeweiht; man findet es im Stadtteil Östermalm, in einem mehrere Museen beherbergenden Museumspark.
An der Kasse bekommt man auf Wunsch einen Audioguide, auch auf Deutsch.
Und schon steht man im ersten großen Raum vor diesem originalen Heckspiegel. Er gehörte einst zur 1778 von af Chapman gebauten Jacht Amphion, die Lustjacht des Königs. Ein im Maßstab 1:32 gebautes Modell steht gleich daneben. Links und rechts vom Heckspiegel der Amphion steht jeweils ein Modell von geradezu gigantischen Ausmaßen. Links ein Linienschiff, rechts eine Fregatte, beide exzellent gebaut, mit einer keine Wünsche offen lassenden Takelage - Begeisterung pur.
Und so ging das weiter! Das Museum beherbergt etliche solcher riesigen Modelle, und viele davon sind so alt wie ihr Original. Fredrik Henrik af Chapman, ein berühmter schwedischer Schiffbaumeister, hat den Bau der meisten dieser Modelle persönlich überwacht. Er revolutionierte das Schiffbauwesen der damaligen Zeit, sein Werk Architectura Navalis Mercatoria ist allen Modellbauern historischer Segelschiffe ein Begriff.
Wer schon einmal im NMM in Greenwich war, kennt die dort ausgestellten Werftmodelle. Nun, Chapman hat sich offensichtlich nicht mit so kleinen Pizzeldingern in 1:72 oder 1:64 abgegeben - was hier steht, ist 1:16, 1:20 oder minimal 1:32.
Das einzige Problem ist, wie so oft in solchen Museen und bei solchen Modellen, die relativ schlechte Ausleuchtung. Aber das tat dem überaus positiven Gesamteindruck keinen Abbruch.
Ich habe jetzt hier nur einen Teil der großen Modelle gezeigt, es gibt noch reichlich mehr davon. Als Liebhaber alter Segelschiffe und aktiver Modellbauer kann man hier gar nicht anders als mit feuchten Augen und dicker Gänsehaut an den Scheiben der Vitrinen zu kleben. Ein Schiff schöner als das andere.
Jetzt geht es aber in einen ganz anderen Bereich. Auf dem Weg dahin kommt man an den ersten Dampfseglern vorbei, schaut sich auch kurz die Schiffe und Boote ohne Masten und Segel an, informiert sich über das Leben an Bord, erfreut sich an schönen Gemälden und wirft nochmal einen Blick in das Erdgeschoss.
Hier geht es unter dem Titel "Shipping & Shopping" um die Handelsschifffahrt im Laufe der Jahre. Dieser Bereich ist ganz anders gestaltet; Modelle von Schiffen, deren Zeit vor vielen hundert Jahren war, stehen neben großen Containern. Und die Modelle werden merklich kleiner. Anfangs sind wir noch bei "normalen" Maßstäben, also hier 1:50, aber dann...
...gab es diese interessanten Vitrinen. In jeder wurde ein bestimmter Schiffstyp vorgestellt und wie dieser sich im Laufe der Zeit verändert und entwickelt hat. Alle Modelle in 1:200, und alle auch exzellent gebaut. Und das ging dann weiter mit dem Übergang zum Dampfschiff - interessant, auf dem letzten Bild unten die Titanic im Vergleich mit den alten Segelschiffen zu sehen. Und würde man da noch eines der riesigen schwimmenden Hotels der heutigen Zeit daneben stellen, bräuchte man vermutlich eine weitere Vitrine...
Dann nochmal ein Blick zurück in der Geschichte. Die Wikinger waren lange Zeit eine Bedrohung, aber Schweden war auch nicht nur friedlich auf den Meeren unterwegs, wie dieses Diorama zeigt, in dem ein schwedischer Freibeuter ein holländisches Schiff aufbringt.
Ich könnte noch so viel zeigen - aber dieser Bericht soll ja auch dazu animieren, sich das Museum in Stockholm selbst anzuschauen. Noch ein paar wenige Bilder...
Fazit: Für Liebhaber maritimer Museen ein Must Have! Unbedingt.
Besucht: 2019