Estland, Tallin: Estländisches Maritimmuseum

 

Das "Eesti Meremuuseum" in Tallin besteht aus zwei Teilen. Der Hauptkomplex ist in der Dicken Margarethe untergebracht, einem ehemaligen Kanonenturm eines Stadttores der mittelalterlichen Altstadt von Tallin. Am Hafen gibt es dann noch eine Außenstelle - dazu später mehr. 

Auf 4 Etagen werden hier die Geschichte der Schifffahrt gezeigt, ebenso die Fischerei, der Schiffsbau und die Navigation, dabei natürlich immer besonders mit dem estnischen Bezug. Ich werde hier wieder schwerpunktmäßig alles zum Thema Segelschifffahrt vorstellen.

 

Gleich im Eingangsbereich empfangen einen die gut restaurierten Teile eines Koggenfundes aus dem Jahr 1990. Mit wissenschaftlichen Methoden hat man herausgefunden, dass dieses Schiff aus der Zeit 1250 - 1320 stammt. Der Fund selbst und die anschließende Ausgrabung und Bergung wurde umfangreich dokumentiert, und kann man sich an interaktiven Bildschirmen umfangreich - und auch auf deutsch - informieren. Diese Möglichkeit des Interagierens mit unterschiedlichen Bildschirmen und anderen Elementen trifft man an vielen Stellen dieses Museums, und immer ist dies auch, wo erforderlich, in deutscher Sprache möglich. Das hat für mich diesen Museumsbesuch gleich noch ein erheblich aufgewertet.

Eine derzeit laufende Sonderausstellung beschäftigt sich mit dem Thema "Leuchttürme auf Briefmarken".

Kommen wir dann zu Ebene 2 - die Segelschiffe. Es ist bewundernswert, wie die spezielle Bauform der Gebäudehülle hier in die Präsentation der schönen Modelle eingeflossen ist. Auffällig war auch, dass es kein einziges Modell eines Kriegsschiffes gab. Für so einen "Nelson-Aubrey-Hornblower-Verseuchten" wie mich ist man ja sowas gar nicht mehr gewöhnt.  Aber ganz ehrlich: Es hat nichts gefehlt. 

Auch hier wieder interessante interaktive Möglichkeiten. So konnte man sich an diversen Bildschirmen durch jede Menge Schiffstypen arbeiten und auch einzelne Mannschaftsmitglieder antippen, um mehr über ihre Arbeit an Bord zu erfahren. Ich empfehle, die Erzählung des Steuermannes Tönissoo zu lesen.

Seekisten, Steuerräder, Werkzeuge für den Schiffbau bzw. für Reparaturarbeiten an Bord. Im letzten Bild sieht man einen Handschutz für den Segelmacher. 

Die Navigation wird auch gezeigt, und dazu gehören auch immer Leuchttürme. Deren Entwicklung über die Jahrhunderte kann man sich hier sehr anschaulich und bezogen auf jedes einzelne Jahr zwischen 1531 bis 2019 anschauen. Man erfährt genau, wo Leuchttürme standen, woraus sie gebaut wurden und womit das Leuchtfeuer erzeugt wurde. Sehr spannend, und Modelle der bekanntesten Leuchttürme hier ergänzten diesen Teil.

Nicht unerwähnt bleiben sollen der Teil mit den Dampfschiffen. Auch hier geht es um die Handelsschifffahrt sowie den Fährbetrieb; ein Modell der Autofähre Estonia und die Erzählung ihrer tragischen Geschichte darf hier dann nicht fehlen.

 

 

 

 

Am Ende des ersten Teils noch der Hinweis, dass sich ein Besuch der Dachterrasse auch dann lohnt, wenn das dortige Café saisonbedingt noch nicht geöffnet hat. Der wunderschöne Blick über die mittelalterliche Altstadt Tallins ist im Eintrittspreis inbegriffen und sehr zu empfehlen.

20 Minuten Fußweg (oder 3 Stationen mit dem Bus) braucht es, bis man im Außengelände angekommen ist. Hier findet man einige große alter stählerne Schiffe (ohne Masten und Segel...) sowie ein riesiger alter Ladekran und geht schließlich in einen ehemaligen Wasserflugzeughanger. Nun, alles in allem war das jetzt nicht das Highlight, was aber natürlich an einer sehr speziellen Interessenlage liegt... Ein U-Boot, jede Menge Modelle und andere Exponate aus der Kategorie Graue Flotte, viele Sportboote (Segeln, Ruder...) und natürlich auch Wasserflugzeuge. Immerhin, auch hier die Reste eines ausgegrabenen ganz alten Frachtschiffes, auch hier wieder mit interaktiven Möglichkeiten, mehr zu erfahren. Und einen kleinen Bereich mit maritimer Kunst gab es, schöne Kapitänsbilder und andere historische Gemälde.  

Fazit: Insgesamt eine wirklich runde Sache und auf jeden Fall einen Besuch wert.

 

Besucht: 2026

Adresse:

 

 

 

Internet:

Eesti Meremuuseum

Vesilennuki tn 1

Tallinn, EE 10415

 

https://meremuuseum.ee/en/