Baubericht Zeven Provincien - Kapitel 8: Erste Takelarbeiten


Januar 2026

Es ist ja fast erschreckend - wir haben noch immer Januar. Ich habe in diesem Monat echt viel geschafft - und es geht weiter.  

 

Auch wenn noch nicht alles fertig ist, was zum Thema Rumpf und Ausrüstung gehört, gehen hier die Vorbereitungen für das Auftakeln los. Wie gut, dass sich hier direkt neben der Werft, in Griffweite, eine gut sortierte und sehr maritime Fachbuchbibliothek findet. Speziell diese beiden Werke werden mir weiterhelfen, denn man muss ehrlich sagen, dass das, was sich in der Bauanleitung zum Thema Takeln findet, doch erhebliche Lücken und Unklarheiten aufweist. Speziell das Buch von H. Winter über ein Modell eines holländischen Zweideckers von 1660/1670 ist Gold wert. Dieses Schiff ist nahezu baugleich mit der Zeven Provincien; ich habe mir gleich mal ein Blatt der dem Buch beiliegenden Baupläne an die Wand hinter mir gehängt. 

Das Auftakeln beginnt ja regelmäßig mit dem Bugspriet; man sieht ihn bereits in obigem Bild an Ort und Stelle. Ist aber nur mal reingesteckt, noch nicht fest verbaut.

Wie man weiß und auch auf dem Bauplan an der Wand gut erkennen kann, fuhr die ZP am Bugspriet einen Sprietmast mit dem Blindensegel. Also ran an den Speck und zuerst mal die Marsplattform gebaut. Erfreulicherweise waren die Teile dafür fast alle als Lasercut vorhanden. Was dabei etwas tricky war: Es gibt Löcher in den Teilen, also gewollte Löcher. Die Plattform besteht an diesen Stellen aber aus bis zu vier Schichten, also mussten hier jeweils diese Öffnungen genau übereinander liegen, damit sie später auch ihren Zweck erfüllen können. Mit vorher durch alle Teile gefädeltes Takelgarn ließ sich das dann relativ unkompliziert realisieren. Kurz danach liegen Stenge und Flaggenstock im Rohzustand da, die Rah wird grad gestrichen.  Der Bugspriet ist zu dem Zeitpunkt scheinbar fertig, wurde dann aber nochmal "verschlankt" und neu angepönt. 

Um mal die Größendimension zu zeigen, füge ich mal Bilder der Teile des Eselshaupts am Flaggenstock und dem fertigen Teil an. Groß ist anders...

1:100 ist doch ziemlich klein...

Takeln geht bekanntlich nicht ohne Blöcke. Dem Bausatz liegen alle erforderlichen Blöcke und Jungfern als 3D-Druck bei. Anfangs war ich da skeptisch und an sich geneigt, doch lieber andere zu nehmen, aber speziell die 2mm-Blöcke haben mich letztendlich überzeugt. Die hölzernen, die ich habe, haben das Problem, dass die Löcher nahezu immer zu eng sind und selbst 0,1mm-Takelgarn nicht durchpasst. Da muss ich immer mühsam jeden Block einzeln mit dem Bohrer nachbearbeiten, was nicht selten dazu führt, dass das Holz dabei trotz aller Vorsicht aufbröselt.

Diese Winzdinger aus dem Baussatz dagegen sind fantastisch! Das Garn geht mühelos durch, und man sieht später am Modell echt nicht, dass die aus Plaste sind. Später, bei größeren Blöcken, werde ich da unter Umständen anders entscheiden, aber die reichlich benötigten 2mm-Blöcke nehme ich auf jeden Fall aus dem Bausatz.

Das Einbinden dieser Kleinstblöcke macht mir übrigens wirklich Spaß! Ich weiß, das klingt krank - vermutlich ist es das auch. Damit kann ich aber leben. 

Der Sprietmast ist nun fertig und bereit zum weiteren Takeln, gleiches gilt für die Blindenrah. Fotos zeigen nicht immer die Realität: Das helle Garn, mit dem ich die Blöcke eingebunden habe, sieht hier fast weiß aus, ist es aber nicht. Und ich werde später auch solche Taue noch etwas nachfärben, dafür benutze ich flüssige Holzbeize und pinsele die vorsichtig auf die Taue. 

 

 

 

Zwischendurch mal ein wichtiger Ratschlag für alle Modellbauer - speziell für die, die wie ich in diesen kleinen Maßstäben unterwegs sind:

 

Augen auf beim Teppichkauf! 

 

 

Hier wurde im vorigen Jahr ein neuer Teppich gekauft; er sollte PC-Stuhl geeignet sein und farblich zu unserem "Marinezimmer" passen. So weit, so gut. Aber jetzt fällt eins von den eben gezeigten Winzteilen runter... Meist heißt die einzige vernünftige Option: Noch einmal bauen...

 

Februar 2026

Das erste Bild, das jetzt folgt, ist noch vom Januar. Bis auf die Ringe sind die vier Anker fertig. Und dann kam endlich wieder meine Reeperbahn zum Einsatz! Als erstes schlage ich mir Taue für die doppelte Zurring des Bugspriets. An der Stelle noch folgender wichtiger Hinweis: Ich werde für das stehende Gut keinen Zentimeter schwarzes Tau nehmen. Machen viele, machen die meisten, habe ich bis vor Kurzem auch gemacht. Aber es ist definitiv falsch. Ja, das stehende Gut war geteert (das laufende übrigens auch, nur nicht so stark).  Man denkt bei Teer automatisch an Teerstraßen und sieht schwarz. Falsch. Der Teer damals, der sog. Stockholmteer, war eben nicht schwarz, sondern, je nach Konsistenz, dunkelbraun, braun, hellbraun, graubraun... Ich schlage meine Taue alle aus hellem Takelgarn und tunke das dann später in "Aqua Clou Holzbeize Nussbaum dunkel". Für das laufende Gut werde ich die Beize entsprechend verdünnen.

Hier laufen weiterhin mehrere Vorbereitungen für das Auftakeln. So richtig loslegen werde ich mit dem Fockmast. Rundhölzer sind im Bausatz enthalten, und ich freue mich darüber, dass die alle sehr gerade sind - da habe ich bei Shipyard schon ganz andere Sachen erlebt und mir letztendlich im Baumarkt oder im örtlichen Fachhandel neue Rundhölzer gekauft. Klar muss da noch viel mit Sandpapier gearbeitet werden, um die Stärke entsprechend anzupassen, und auch die kleinen Feilen kamen zum Einsatz für den Masttop.

Der Bauanleitung nach soll man die Marsplattform komplett mit der Saling drunter bauen und dann anbringen. Was ich natürlich nicht mache, denn mit bereits fest installierter Plattform würde ich mir das Anbringen der Wanten, Seitentakel und Stage nur unnütz schwer machen. Also erst einmal nur die Saling fertigen. Hier sieht der Bausatz aber etwas vor, was ich für Unsinn halte. Ich zeige das mal in den Bildern. Erfreulicherweise gibt es die hierfür benötigten Teile als Lasercut. 

Für den Fockmast sind die Teile 204 gedacht. Die bereits herausgelösten Teile sind die Längssalinge. Die müssen jeweils zu zweit aneinandergeklebt werden. Logisch und richtig wäre es nun, die angelaserten Aussparungen herauszutrennen und dort die Quersalinge einzusetzen. Aber wie man sieht, sind die Quersalinge dreigeteilt und sollen zwischen die Längssalinge geklebt werden, wobei diese angelasterten Quadrate wohl die Klebeflächen sein sollen. Warum, weiß nur der Konstrukteur - ich habe die, wie man im Bild sieht, die Aussparungen ausgeschnitten und mir aus Kartonresten durchgehende Längssalinge gefertigt. Ein längs geviertelt und dann auf die richtigen Längen gebrachter Zahnstocher liefert die Kalben auf der Längssaling, die verhindern, dass die Wanten geknickt werden.

 

Jetzt kommt es aber richtig dicke: Um die richtigen Maße für die Abstände der Salingteile zu bekommen, habe ich die Marsplattform gebaut, zumindest soweit, dass ich diese Maße bekomme. Dafür müssen wieder - wie schon bei der Plattform für den Sprietmast - mehrere Teile exakt übereinander geklebt werden. Und dabei sind mir dann zwei Dinge aufgefallen: Hier ein Bild der Unterseite der Plattform. Man sieht, dass Löcher u.a. für die Rüsten vorhanden sind. Und jetzt drehen wir das Teil einmal um. Upps - die Löcher für die Rüsten passen zwar links, aber rechts nicht mehr - da ist etwas gründlich schief gegangen. Hier muss ich also neue Löcher bohren und die vorhanden später beim Anmalen mit Farbe "zukleistern".

 

Und dem geneigten Fachpublikum fällt sofort noch etwas auf: Es fehlen die Löcher zur Aufnahme der Hahnepoten. In der gesamten Bauanleitung findet sich auch keinerlei Hinweis auf Hahnepoten; die Bilder des fertigen Modells des Konstrukteurs im Netz zeigen aber, dass er diese sehr wohl angebracht hat und zwar an dem schmalen Geländerring (im Bild aus der Bauanleitung die Teile f + g) irgendwie befestigt hat. Da dürfen zumindest starke Zweifel geäußert werden, ob das korrekt ist. Alles, was ich zu den Thema bisher gefunden habe, sagt mir, dass es zum einen bei Schiffen in dieser Zeit Hahnepoten gab und zum anderen eben die Befestigung selbiger direkt am stabilen Rand der Plattform und nicht an dem im Vergleich doch recht fragilen Geländer, welches die Rippen umgibt, erfolgte.

Weiter geht es mit den Rüsten. Die Rüstbretter aus dem Bausatz waren zweifach zu verstärken; dementsprechend ging das Ausschneiden mächtig ins Handgelenk. Aber da wirken ja später auch Kräfte aus verschiedenen Richtungen, also müssen die was aushalten. Die Rüsteisen zur Einfassung der Juffern nehme ich wieder aus einer der tollen Ätzplatinen von dafi. (Siehe in den Links bei dafinismus.de) Das Problem hierbei: Jedes einzelne der vorher brünierten Teile muss ich erstmal aufschneiden, um es leicht aufbiegen zu können, da ich ansonsten die Jungfern nicht eingepasst bekomme. 

Die Juffern habe ich online gekauft; hier wollte ich welche aus Holz. Warum, zeigen die Bilder - Keepen müssen schon sein zur besseren Führung der Taljereeps. Auch in diesem Maßstab. Und bald waren dann auch die Rüstbretter (fast)  komplett - zu den unteren Teilen der Rüsteisen kommen wir später. Der Fockmast wurde gestrichen, mit Wuhlings und Mastbacken und Klampen verschönert und ist nun bereit für weitere Aktionen. 

Nun arbeitete wieder die Reeperbahn eifrig und danach meine Kleedemaschine. Zuerst wurden die Hanger für das Seitentakel gefertigt, dann die Wantpaare für den Fockmast. Die Augen der Wantpaare (und auch der Hanger) sowie das jeweils vordere Wanttau sind gekleedet. Die Augen wurden dann wie gewohnt mit einer ordentlichen Plattbindselung gefertigt. Ich habe mir dann mal den Spaß gemacht und alle Wantpaare schon mal um den Masttop gelegt. Sieht doch schon richtig toll aus, oder? 

Ach ja, zu den ersten Bildern zu diesem Beitrag: Man benötigt reichlich Kauschen für solche Modelle, will man einigermaßen historisch korrekt bauen. Das Anfertigen der Kauschen gehörte bisher nicht zu meinen liebsten Tätigkeiten: Dünne Scheiben von einem Messingrohr schneiden oder sägen war echt nervig, zeitaufwändig und von vielen Misserfolgen begleitet. Warum ich auf die folgende Idee nicht schon eher gekommen bin, weiß ich nicht. Suche im Netz nach wirklich feinen Sägen. Fündig geworden auf einer Seite für Goldschmiedebedarf. Sägebogen mit 12 3/0er Sägeblättern gekauft. Geliefert bekommen, zusammengebaut, ausprobiert. Innerhalb weniger Minuten 10 Kauschen bekommen, so gut wie kein Abfall in Form von Sägespänen - das ist Modellbauerglück! Fix brüniert und die ersten beiden gleich in die Hanger eingebunden.  

Bevor ich ernsthaft mit dem Auftakeln des Fockmastes beginne, müssen auf das Backdeck erst noch die Kanonen gestellt werden. Schiff auf großer Fahrt, Kanonen entsprechend anders als gewohnt getakelt - aber wie mache ich das da, wo keine Bordwand ist, gegen die ich die Rohrmündungen stelle, wie in der Kuhl z.B.? Umfangreiche Recherche in Fachbüchern, Diskussion im Götterforum, Erkenntnis, dass es keine klaren Vorgaben gab zu der Zeit, Zeitzeugen waren grad alle mit AIDA unterwegs - also entschieden, diese Geschütze ausgerannt zu zeigen. Und - wichtige Erkenntnis: In kleinen Maßstäben - und da gehört 1:100 dazu - ist weniger oft mehr. Ich habe hier ein paar Tests gemacht - nein, keine sonstigen Takel an diese Winzgeschütze. Broktau, und fertig. Deshalb sieht das Backdeck jetzt so aus wie im ersten nachfolgenden Bild. 

Auf dem letzten Bild zuvor sieht man ja die Hanger für die Seitentakel. Und ich war so stolz auf meine tollen neuen Kauschen. Aber... Ich hab da mal recherchiert. Zwei grundlegende Ergebnisse: Zum einen habe ich nichts gefunden, was bei diesem kontinentalen Schiff und dieser Epoche auf Kauschen an den Hangern hinweist, zum anderen hatte ein Schiff dieser Größe nicht nur diesen einen Hanger je Bordseite, sondern zwei, mit den entsprechenden Seitentakeln, die ich dann gleich mal baue.

Also wurde da nochmal neu gebaut. Zuerst mal die Hanger. So wie die Wanten paarweise, aber komplett gekleedet, mit je einem Doppelblock und einem Violinenblock. Sieht man z.B. auch auf dem Bauplan des "Winter-Schiffes" - und ist auch so in der Bauanleitung für dieses Modell vorgesehen. Und hier sind sie also, die beiden Hangerpaare. Das eine noch im ungefärbten Zustand, das andere schon nach dem verdunkelnden Bad in der Beize.

Und dann wurde es Zeit, den Fockmast final in den Rumpf zu bohren, auf dass er nie wieder daraus hervor kommt. Also das untere Ende jedenfalls: Die unteren Blöcke der Seitentakel wurden mit Tauen versehen sowie mit einem Haken, der dann in Augbolzen auf den Rüstbrettern eingehakt wurde. 

Und hier gibt es dann endlich mal wieder einen Abriss. Die Taue sowohl für das Taljereep als auch die Läufertaue sind mir zu "piepselig", also zu dünn. Nochmal in die Literatur geschaut und mit anderen Modellen verglichen und schließlich neu gemacht. Und man sieht den Unterschied.

Es dauert dann auch nicht mehr lange, und die Wanten für den Fockmast stehen. Als nächstes kommt dann das Stag dran. Das habe ich mir aus 3 x 0,75 mm Tau geschlagen, dann im Bereich des großen Auges gekleedet, dabei die Maus mit "draufgekleedet", das kleine Auge geformt und mal probeweise angehalten. Jo, schaut schon gut aus. Den Stagkragen hab ich ebenfalls gebaut und angebracht. Wie immer habe ich die Taue dann mit Beize gefärbt und schließlich alles am Schiff angebracht. Die (noch nicht komplett gebaute) Plattform habe ich probehalber mal lose aufgelegt, um zu schauen, ob sie noch passt. Ja, da habe ich also alle Wantpaare ordentlich aufgelegt, so dass die rechteckige Öffnung prima drüber passt.