Galion; Heck, weitere Kanonen und Kleinkram


November 2024

Ja, das Galion. Der Bausatz hat dafür erst einmal ein kleines Rätsel parat. Bringe diese Teile in einen sinnvollen Zusammenhang (gemeint sind die noch nicht ausgeschnittenen) - siehe erstes Bild. 

Was das Rätsel wirklich interessant macht, ist die Tatsache, dass in den Bildern der Bauanleitung kein einziges Teil auftaucht, welches mit der Ziffer 104 anfängt. 

Die Lösung war aber dann relativ einfach: Der Konstrukteur hat hier zwei alternative Fertigungsmethoden für die Galionsspanten angeboten, aber vergessen, das richtig deutlich zu machen. Eine kurze Nachfrage hat da Klarheit gebracht. Ich habe mich dann für die reine 103er Variante entschieden. Aus den spinnenartigen Teilen entstehen die Galionsspanten. Diese fragilen Gebilde sind schon ein wenig tricky, alles wird "stumpf" geklebt, d.h., es gibt keine Klebelaschen, sondern es wird hauchdünn Kante auf Kante geleimt (diese Teile sind nicht mit zusätzlichem Karton verstärkt).

Und jetzt kommt eine kleine "Karton-Schummelei" meinerseits. Aus den länglichen Ausschneideteilen links auf dem oberen Bogen soll man die Querbalken der Spanten formen. Also im Prinzip "Hölzer" mit quadratischem Querschnitt, 2x2 mm. Für den Fiddelkram hatte ich so gar keine Lust, zumal in unserem Haushalt seit kurzem ein hübsches, neues Spielzeug steht - ein 3D-Drucker. Und so war meine allererste eigene 3D-Schöpfung am Rechner ein langer, dünner Streifen, 2x2x200 mm, die dann im Drucker Realität wurde. Und sieht das Stück im vorigen Bild ob seiner grünen Plast-Optik noch wie ein Fremdkörper aus, fällt das dann später, ordentlich angepönt, am Modell gar nicht mehr auf. Ich bin ja alles andere als ein Kartonpurist, wenn es andere Möglichkeiten gibt, bestimmte Teile besser zu bauen, nutze ich die. Und auch wenn ich vermutlich nie ein CAD-Experte werde: Flache, gerade Streifen in jeglicher Höhe und Tiefe und Länge bekomme ich mittlerweile hin.

 

Und wieder wird mit viel Papier gearbeitet und ein klein wenig mit Filament-"Balken". Es fehlt an beiden Seiten noch je ein halber Galionsspant - die zwei dicht am Bug sind geteilt durch das Schegknie. Aber wie man sieht, sind die Galionsregeln dran, also diese schmalen, langen Teile, die zur Galionsfigur führen. Die Gräting wird durch schmale Streifchen in Längsrichtung dargestellt; das ist dann genau wieder so ein Einsatzgebiet für den 3D-Drucker. Da drucke ich mir mehrere lange Vierkantstreifen (1x1 mm Querschnitt) aus und schneide mir die dann auf die jeweils geforderten Länge zurecht.

 

Januar 2026

Meine "Sommerpause" war diesmal etwas länger. Aber jetzt bin ich wieder voll drin und habe Lust auf mein Modell. Das Galion ist schnell fertiggestellt, da fehlten nur noch wenige Teile. 

Nun geht es mal wieder an die andere Seite - das Heck bietet noch jede Menge Bauspaß. Die Seitentaschen mit den Türmchen sind angebracht, das war eine ziemliche Fummelei, bis alles passte. 

 

Viel Zeit habe ich in die Neukonstruktion eines Teiles investiert, welches so gar nicht passen wollte. So viel kann ich gar nicht falsch gemacht haben bisher, und die Teile rundrum haben ja auch alle gepasst. Aber diese breite, geschwungene Leiste unterhalb der Heckfenster ging gar nicht. Jetzt, mit dem neuen Teil, gefällt es mir besser.

Aber die optisch wichtigste Veränderung fällt natürlich sofort ins Auge: Der wunderschöne Heckspiegel ist nun an Ort und Stelle! Damit ist das Heck aber noch lange nicht fertig. Solche Figürchen, wie sie bereits an der Backbord-Seitengalerie zu sehen sind, werden auch den Hintern verzieren, ehe es dann mit eben solchen Figürchen an Backbord weitergeht.

Ein Problem habe ich gedanklich noch nicht gelöst: Auf die Türmchen der Seitengalerien muss noch ein komischer Knubel drauf. Der besteht laut Bauanleitung auf jeder Seite aus 11 winzigen Winzteilen - das tue ich mir auf keinen Fall an. Da weiß ich jetzt schon, dass das am Ende nur schaurig aussehen kann, also muss da was anderes her. Ich studiere noch mal meine Fotos vom 1:10-Modell in Lelystad und wühle mich dann mal durch unseren umfangreichen Kleinteilkramsfundus.
(Update 4 Wochen später: Doch, ich tue es mir an - und es sieht gut aus.)

Der Bausatz hat ja in der erweiterten Variante auch einige Lasercutbögen. Das sind teilweise recht hilfreiche Teile, aber manches lässt mich nur verwundert zurück. Sämtliche Zierleisten am Heck gibt es auch als Lasercut. Aber dann müsste man sie anmalen, und die Musterung wäre dann weg, denn die ist dort nur aufgedruckt, nicht eingebrannt. Also hab ich natürlich die Ausschneideteile genommen. Nun ja, falls man da mal eins versaut, kann man immer noch auf das LC-Teil zurückgreifen - dann eben ohne Muster.

Ein paar lange Abende in der Werft sind schon nötig, bis es schließlich zwar noch immer nicht fertig, aber schon richtig imposant aussieht.

Zwischendurch baue ich dann aber Geschütze - die kleineren Kaliber für das Achterdeck und das Backdeck müssen ja auch irgendwann mal an Bord. Schaut man sich die Größenunterschiede zu den Kanonen in der Kuhl an, wird man meine Entscheidung vielleicht verstehen, diese kleineren Geschütze nur mit dem Broktau zu zeigen. Selbst meine kleinsten Blöcke würden da überdimensioniert aussehen, und eine Modellbauerweiseheit sagt, dass in so kleinen Maßstäben - das hier ist 1:100 - weniger oft mehr ist. Auf jeden Fall ist für die vielen Geschütze wieder Fleißarbeit angesagt.  

Es ist noch immer Januar, und ein langer Werfttag geht zu Ende. Auf der Habenseite finden wir:

Die ersten acht 6-Pfünder stehen an Ort und Stelle.

Das Heck wird immer schöner - der Zierbogen wurde fertiggebaut, angepönt und eingepasst.

Außer bei Kuhl und Back wurden überall Relinggeländer gebaut und angebracht.

Es gab ein paar Kosmetikarbeiten.

Die 3-D-Druckfiguren, die meisten für die Heckzier, wurden grundiert, um sie später anzumalen.

Die restlichen 6-Pfünder, vier auf dem Achterdeck, acht auf dem Vordeck, kommen später an Bord, da diese Geschütze ausgefahren dargestellt werden. Ganz einfach deshalb, da an den Stellen eine entsprechend hohe Bordwand fehlt, gegen die man das Rohr stellen kann. Da habe ich mich extra schlau gemacht, wie das denn damals war auf großer Fahrt. Nun, klare Standards gab es nicht. Mal wurden die Geschütze in Längsrichtung an der Bordwand festgezurrt, mal ausgefahren und entsprechend gesichert, und kleinere Wummen wurden bei langen Überfahrten ohne Feindberührungsgefahr auch schon mal unter Deck verstaut. Ich hab mich für die Ausrennmethode entschieden. Diese Geschütze kommen dann später, vorher müssen auf dem Vordeck noch Relingteile montiert werden, die ich erst zusammenbauen muss.

Nun habe ich die Kranbalken für die Anker gebaut. Die Bauanleitung sah dabei u.a. vor, kleine Kreise auszuschneiden, als Scheiben für die Taljenblöcke. Aber nix Schere: Gepriesen sei der Erfinder der Lochzange! Nagelbänke und Betinge fanden auch ihren Weg an Deck. 

Und wie man unschwer erkennen kann, habe ich alle Geländer für die Deckskanten gebaut und angebracht. Macht optisch gleich viel mehr her, finde ich. Dann gibt es da noch ein Wappen vorn an der Bugreling, welches man, wenn man möchte, auch etwas plastisch gestalten kann, indem man den Rand verstärkt und extra ausstichelt. Fehlende Relingteile wurden hergestellt und die Figuren für das Heck angemalt. Die kommen aber erst viel später an das Modell - zu groß ist die Gefahr, dass ich sie jetzt immer wieder abreiße. 

Zur Abwechslung habe ich dann mal die größte der 5 Hecklaternen gebaut. Gut, dass es das durchbrochene Mittelstück als Lasercut gibt. Und wer jetzt meint, die sei schief: Richtig! Das muss so, später am Modell wird man das sehen. 

So langsam nähern wir uns dem für mich immer wieder spannenderen Teil beim Bau eines Segelschiffmodells - dem Auftakeln!