Das Deutsche Technikmuseum in Berlin ist schon ob seiner Größe und Vielfalt beeindruckend. Will man wirklich alles anschauen, sollte man nicht nur einen Tag einplanen. Wie gewohnt beschränke ich mich hier auf den Bereich Schifffahrt - und allein der hat es schon in sich.
Die Geschichte der Seefahrt wird dort sehr umfangreich gezeigt, und das zum großen (und für unsereins erfreulichen) Teil anhand von Segelschiffmodellen. Und die sind fast immer "Hochkaräter". Exzellent gebaut, historisch auf dem Stand der Forschung zum Zeitpunkt der jeweiligen Fertigstellung des Modells, und toll präsentiert. Man trifft dort auf Modelle von absoluten Größen des deutschsprachigen Schiffsmodellbaus, wie Robert Volk oder Peter Holz, um nur mal zwei zu nennen (die ich auch aus dem von mir stets respektvoll "Götterforum" genannten Forum kenne). Einer jedoch sticht sie alle aus: Der "Modellbaupapst" Wolfram zu Mondfeld, der für alle Schiffsmodellbauer mit Sicherheit ein Begriff ist, hat dort, wenn ich mich nicht verzählt habe, 20 seiner Modelle zu stehen.
Will man in den Bereich Schifffahrt gehen, kommt man am Bereich Textil vorbei. Auch interessant. Passend dazu dieses schöne Diorama, welches eine Textilmanufaktur früherer Zeiten zeigt, in der eben auch Stoff für die Segel hergestellt wurde.
Und dann ist man mitten drin im Schifffahrtsbereich und weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll.
Diese Vitrine hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Hier hat sich ein Modellbauer vermutlich einen Lebenstraum erfüllt und einen Großteil der berühmten "Kurbrandenburgischen Flotte" im Modell gebaut.
Ein, wenn nicht DAS Prunkstück in diesem Bereich ist sicher das 1:20-Modell der Vasa, gebaut von Wolfram zu Mondfeld.
Das Original ist 1628 auf seiner Jungfernfahrt im Stockholmer Hafen gekentert und gesunken. 333 Jahre später wurde das, was noch von ihr übrig war - und das war erfreulich viel - gehoben und nach jahrelanger Konservierung und Restaurierung in einem eigens gebauten Museum untergebracht. Hier habe ich über Schiff und Museum berichtet.
Im nächsten Bereich finden wir ganz besondere Schiffe. Zum einen ist das eine kleine, aber bedeutsame Sammlung von Knochenschiffen - Schiffsmodellen, die von gefangenen Seeleuten aus Tierknochen geschnitzt wurden und dann an die Wärter verkauft wurden, um sich die Gefängnisbedingungen etwas zu verbessern.
Und in den runden Vitrinen sieht man Schiffsmodelle in besonderen Fertigungsmethoden oder aus speziellen Materialien, wie Bernstein oder Gewürznelken. Seltsamerweise ist dort kein einziges Kartonmodell zu finden. Vielleicht sollte ich mal...?
Schifffahrt im Laufe der Jahrhunderte, und die Schiffe aus der Zeit der großen Entdecker dürfen hier auch nicht fehlen. Und natürlich hat auch dieses Museum seine Santa Maria.
Werfen wir noch einen Blick auf das eine oder andere schmucke Modell. Nicht unerwähnt bleiben soll die Tatsache, dass es an mehreren Stellen auch interaktive Möglichkeiten gibt. So kann man versuchen, ein altes Segelschiff zu steuern, man kann sich praktisch dem Thema Segeln mit verschiedenen Windrichtungen nähern und erfährt, warum ein Schiff überhaupt schwimmt. Ich schreibe das auch deshalb auf, damit nicht der Eindruck entsteht, der Bereich Schifffahrt sei lediglich eine Modellschau, beileibe nicht.
Auch die Binnenschifffahrt in Berlin und rundherum ist ein Thema der Ausstellung, wovon dieser alte Lastenkahn, "Kaffkahn" genannt, zeugt.
Fazit: Schon allein wegen der Fülle an wundervollen Schiffsmodellen ist dieses Museum eines meiner Lieblingshäuser. Berlin hat immer sehr viel zu bieten - das Deutsche Technikmuseum sollte man bei einem Besuch auf jeden Fall fest einplanen.
Besucht: 2024
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