Im Marinemuseum der portugiesischen Hauptstadt laufen einem die Augen über. Was für eine Fülle an traumhaft schönen Exponaten! Und das ist ja auch nicht weiter verwunderlich, blickt Portugal doch auf eine jahrhundertelange maritime Tradition zurück. Es war der in Porto geborene Heinrich der Seefahrer, der in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch sein Wirken den Grundstein dafür legte, dass Portugal zur See- und Kolonialmacht wurde. Dabei fuhr er selbst nie zur See, förderte aber die Entdeckungsfahrten an der afrikanischen Westküste.
Und so begrüßt einen Heinrich auch unmittelbar hinter dem Eingang.
Portugals Seefahrtgeschichte ist eng mit einem bestimmten Schiffstyp verbunden, der Karavelle. Und das wird auch umfangreich dargestellt und erläutert, die verschiedenen Entwicklungsstufen präsentiert. Und auch weitere, verwandte Schiffstypen findet man, insbesondere die Nao. Ganz nebenbei: Auch das Flaggschiff von Kolumbus, die Santa Maria, war eine Nao. Dieses Schiff findet man allerdings hier nicht. Die Präsentation der vielen Modelle ist vorbildlich, man kann stets von mehreren Seiten in die Vitrinen schauen, die Ausleuchtung ist perfekt und großen, altehrwürdigen Säle sind nicht zu eng vollgestellt.
Natürlich darf Vasco da Gama nicht fehlen; er war es, der 1498 den Seeweg nach Indien um das Kap der Guten Hoffnung entdeckte.
Die Navigation der damaligen Zeit wird ebenfalls gezeigt, und weitere tolle Modelle, wie diese Galeonen hier.
Es folgt ein kleiner Zeitsprung, und schon sind wir im 19. Jahrhundert. Das Modell und das Gemälde zeigt die die Fregatte Dom Fernando Il e Glória, die ich einen Tag vor diesem Museumsbesuch am anderen Ufer des Tejo besucht hatte - siehe hier bei den Schiffsbegegnungen.
Und es geht weiter mit wunderschönen Schiffsmodellen. Bemerkenswert ist, dass einige dieser Modelle extra zur Ausbildung junger Seekadetten gebaut wurden.
Dann durfte ich mal wieder am Rad drehen - und es ist ein besonderes Rad. Es ist das Originalruder des ehemaligen Segelschulschiffes Sagres II. Gebaut wurde sie 1986 in Bremerhaven. Nach einer recht wechselvollen Geschichte kehrte die Dreimastbark 1983 wieder nach Deutschland zurück, wo sie jetzt unter ihrem alten Namen - Rickmer Rickmers - in Hamburg an den Landungsbrücken als Museumsschiff liegt.
Flussschiffahrt, Küstensegler und zivile Segelschiffe nehmen ebenfalls einen großen Bereich ein. Die Fülle an Modellen ist unglaublich.
Und wenn man dann das große Hauptgebäude nach mehreren Stunden verlässt und sich denkt, dass sich der Museumsbesuch dem Ende zuneigt, kommt man in eine gigantische Halle - Pavilhao das Galeotas - in der etliche Prunkbarken und Galeeren im Original stehen.
Das Prunkstück schlechthin ist aber dieses hier:
Fazit: Traumhaft schön ist dieses Museum. Das Gebäude bietet einen würdigen Rahmen, die Gestaltung, die Exponate, die Infotafeln - alles so, wie man es sich wünscht.
Besucht: 2019
Adresse:
Internet:
Museu de Marinha
Praça do Império, Santa Maria de Belém
1400-206 Lisboa